Veranstaltungen 1. Halbjahr 2009

Arnsberg, 12.04.; Duisburg, 22. 04.; Wuppertal, 23.04.
5 Fabriken -Arbeiterkontrolle in Venezuela
Filmvorführung und Diskussion mit dem Filmemacher Dario Azzelini

Hattingen, 25.04. (Tagesseminar)
Politik machen mit Internet-TV
Anmeldung erforderlich!

Münster, 09.05. (Tagesseminar)
Gruppenorganisation für EinsteigerInnen
Anmeldung erforderlich!

Bochum, 23.05. (Tagesseminar)
Was der alte Marx noch wusste - Crashkurs zur Politischen Ökonomie
Anmeldung erforderlich!

Duisburg, jeden 1. + 3. Dienstag im Monat
Politischer Film

Linke Drogenpolitik nach 1968

Bericht der beiden Seminare „Substanzverbot & Subkultur“ mit Lars Quadfasel - am 18.03.08 in Bochum und am 11.10.08 in Aachen von Bernd Barenberg

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Massenproduktion Anfang der 60er und der damit einhergehenden Orientierung an Arbeiter_innen als Konsumten_innen bekam auch der Drogenkonsum eine andere Bedeutung. Der arbeitende Mensch Anfang der 60er Jahre war in den Industrieländern zunehmend zerrissen zwischen den widersprüchlichen Anforderungen des fordistischen Akkumulationsregimes. Nüchterner funktionierender Arbeiter einerseits und hedonistischen Konsument_innen anderseits: ‚Entdecke dich selbst’ in der bunten Warenwelt!
Bewusstseinsverändernde Substanzen versprachen das Glücksversprechen des sozialstaatlichen Kapitalismus sofort einzulösen – hier & jetzt. Neben die Bier trinkenden ‚Malocher’ traten zunehmend die Haschisch rauchenden Student_innen und die mit LSD experimentierenden Intellektuellen.

"Haschisch, Speed und Heroin für ein freies West-Berlin"
– zweierlei Drogenfetisch


Ob in Ablehnung oder Verherrlichung, den meisten (linken) Positionen war - und ist - ein gewisser Drogenfetischismus gemeinsam – dies ist der gemeinsame Nenner des 72er-konkret-Kongresses „Sucht ist Flucht“ und Baumanns ‚Haschrebellen’.
Während die einen argumentieren, die Drogen hielten die Arbeiterklasse von der Revolution ab, glauben die anderen durch Substanzgebrauch zum ‚wahren Selbst’ zu finden.
Und diese beiden linken Reaktionsmuster finden sich auch heute noch wieder. Es gibt sie, die bürgerlichen Verbotsdrohungen noch übertreffenden orthodox-kommunistischen Organisationen in ihrem Glauben an eine ‚nüchterne Arbeiterklasse’, die nur manipuliert würde. Oder ein Christian Rätsch mit seinem sehr deutschen Weg ‚zurück zu den Wurzeln’ mithilfe nordischer Naturdrogen.

Statt Substanzwirkungen also in ihrem soziokulturellen Definitionsrahmen zu verstehen, wird ihnen als Substanz eine Wirkung zugeschrieben, die sie ohne ein bestimmtes (unterdrücktes, kämpfendes, träumendes) spezifisch gesellschaftliches Handeln so nicht hätten! Die Anlehnung am Marxschen Fetisch-Begriff bietet sich hier also an. Die soziale Schicht, oder Klassenlage, des Drogen-Konsumenten etwa wirkt sich bis heute stark auf die – bisweilen verheerende – Drogenwirkung aus.
Wo sich am unteren Rand der Gesellschaft schon mal die Konsummotivation auch bis ins suizidale verschiebt, feiert die Oberschicht sich in einem real gewordenen Kokstraum.
Insofern müsste von „Drogenverbots-Toten“ gesprochen werden. Statt dem besorgt repressiven Diskurs wäre also Substanzinformation und medizinische Hilfe nötig. Ganz abgesehen natürlich von der Überwindung der materiellen … der je erlebten Irrfahrten ins Innere des Zeitgeistes.

Das Hustenmedikament Heroin „wird hervorragend am Markt angenommen“

Geschichtlich wurde ein Bogen gespannt vom 19. Jh., dem „Sanktions-Imperialismus“ der USA , etwa dem Drogenverbot in Deutschland als Teil des Versailler Vertrags, und der erfolgreichen Produktlinie Bayers, vom „Opiumgesetz“ bis zum heutigen ‚Betäubungsmittelgesetz’ (BtmG) und der psychiatrischen Kontinuität des Wegsperrens bis in die 50er und 60er Jahre hinein.

Unter den liberalen Tendenzen der 60er Jahre, in subkultureller Verweigerungshaltung und hedonistischem Massenkonsum „wurden Drogen langsam zum Problem“. Ende der 60er erscheinen erste Zeitungsartikel zum „Drogenproblem“, erste Sondereinheiten der Polizei werden eingerichtet.

Die Devise der Drogenpolitik der 70er Jahre bis heute lautet ‚Therapie statt Strafe’. Nicht das absolute Verbot ist angesagt, sondern das ‚rechte Maß’, Christiane F.’ wird zum – nicht zufällig weiblichen – Opferbild das Mitleid erweckt und die Feindbilder sind nicht selten rassistisch konnotiert. Wie noch vor einigen Jahren in Hamburg bei der rechtspopulistischen Schill-Partei.

Unter neo-liberalen Vorzeichen einer ökonomisch produktiven Selbstverwaltung „interessiert der eigene Körper nur, wenn er stört“: Seine Bedürfnisse sollen durchaus befriedigt werden, aber nur solange es Arbeitsprozess nicht behindert. Mit dieser widersprüchlichen Anforderung an die zum Konsum gezwungene Arbeiterin sind immer jüngere Menschen konfrontiert. Die gleichzeitig eine zutiefst verlogene und in kindlicher Naivität dösende Erwachsenenwelt erleben.

Sei cool, sei erfolgreich! Keine Party verpassen, und engagiert im Job. Abends kiffen zur Entspannung, morgens Kaffee oder Speed zum wach werden; Koks für den Erfolg und am Wochenende auch mal LSD zur Selbstfindung. Und das Ganze gibt’s für den gesetzestreuen Mitbürger auch auf Rezept: von Valium, über Ritalin, Antidepressiva oder was gegen Müdigkeit und das Magengeschwür? Und wenn es keine Drogen sind, dann lauert der ‚unmäßige’ Konsum überall: sexsüchtig, fernsehsüchtig, spielsüchtig. Politik, Karriere oder Extremsport? Aber nicht übertreiben!

"Drogenverbote sind nur ein Beispiel für das Misstrauen gegenüber dem Leben als Exzess."

Stipendienprogramm der rls

Kopfstand-1Seit 1999 vergibt das Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung (RLS) Stipendien an in- und ausländische Studierende und DoktorandInnen, welche ihr Studium oder ihr Promotionsvorhaben in Deutschland absolvieren.

Die Rosa Luxemburg Stiftung ist eine politische Bildungseinrichtung und steht der Partei DIE LINKE – früher Linkspartei.PDS – nahe. Ihr Ziel ist es, zur Demokratisierung politischer Willensbildung, zu sozialer Gerechtigkeit und Solidarität sowie zur Überwindung patriarchaler, ethnischer und nationaler Unterdrückung beizutragen.

Seit Beginn der Förderung 1999 hat das Studienwerk der RLS fast 900 StipendiatInnen aus dem In- und Ausland gefördert. Aktuell befinden sich knapp 400 Studierende und DoktorandInnen in der Förderung. Jährlich werden ca. 120 StipendiatInnen neu aufgenommen, darunter ca. 25 DoktorandInnen.

Förderkriterien und Stipendienarten

Gemäß des Ziels der RLS fördert das Studienwerk Studierende und Promovierende, die sich durch hohe fachliche Leistungen sowie durch ein aktuelles ausgeprägtes gesellschaftliches und soziales Engagement im Sinne der Rosa Luxemburg Stiftung auszeichnen.

Das Studienwerk zielt auf den Ausgleich sozialer, politischer oder geschlechtlicher Benachteiligung; bei vergleichbaren Leistungen und vergleichbarem Engagement werden daher Frauen, sozial Bedürftigte und Menschen mit Behinderungen bevorzugt. Studierende und Promovierende naturwissenschaftlicher, technischer und ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen werden ausdrücklich zu einer Bewerbung ermutigt.

Auswahl der StipendiatInnen

Für die Auswahl der StipendiatInnen setzt die Rosa Luxemburg Stiftung einen Auswahlausschuss ein. Dieser setzt sich zusammen aus 10 VertrauensdozentInnen, 4 StipendiatInnen, 2 ehemaligen StipendiatInnen und 4 externen Mitgliedern, die vom Vorstand der Stiftung berufen werden. Der Auswahlausschuss erarbeitet Vorschläge für die Vergabe von Stipendien, über die der Vorstand der Stiftung entscheidet.

Mehr unter: www.rosalux.de unter Stipendienprogramm

Flyer des Studentenwerks (pdf, 5 MB)

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